von Franz Josef nach Picton

Unsere Zeit auf der Südinsel geht dem Ende zu. In zwei Tagen geht in Picton unsere gebuchte Fähre auf die Nordinsel, und es gibt noch soviel anzusehen. Also, aufgestanden, gefrühstückt, ans Steuer gesetzt, Miss Lizzy angeworfen und los geht´s.

Auf dem Weg nach Picton wollen wir uns die Pancake Rocks ansehen, eine Felsformation im Meer, von der bis heute die Wissenschaft nicht endgültig weiss, wie sie entstanden ist. Bereits bei der Übernahme von Miss Lizzy hat uns das Wohnmobil – Verleihfirma – Mädel gesagt, dass wir da unbedingt hin müssen.

Der Weg an der Westküste ist kurvig, führt teilweise an der Küste entlang, teilweise etwas im Land, ist nur langweilig und muss halt gefahren werden. An der Westküste leben sehr wenig Menschen, das liegt einerseits am Wetter, dem vielen Regen und auch daran, dass an der Steilküste weder Industrie noch Landwirtschaft möglich ist. Die Verkehrsverbindung reduziert sich auf die Küstenstrasse, auf der wir jetzt mit 50km/h dahintuckern, Rechtskurve – Linkskurve – Rechtskurve – und so weiter.

Auf halbem Weg zu den Pancakes liegt Hokitika, laut Reiseführer eine Stadt in der sich viele Einwanderer niedergelassen haben. Hokitika hat einen Ruf als Künstlerstadt, die Stadt gilt auch als Jadezentrum. Wir beschliessen dort einen Stop zu machen.

Wir streifen durch die Stadt, gehen in ein Fotobildergeschäft – und sind baff erstaunt über die Preise, die dort für grossflächige Fotos verlangt werden, ab $500,00 aufwärts. Also, wenn mir mal gar nichts mehr einfällt, dann mache ich von meinen supertollen Fotos zehn Abzüge, nummeriere diese und verkaufe sie als limitierte Edition, dort wo es viele reiche Asiaten gibt. Und dann warte ich auf das, was dann so kommen wird.

Das nächste Ziel sind die bekannten und uns so empfohlenen Pancakes, wir sind gespannt, was uns dort erwartet. Es gibt fast keine Touristenbusse, die Pancakes sind wohl zu abgelegen für die Touristenmassen. Über einen Steg kommen wir zu einer schönen Aussichtsplattform – wir sind beeindruckt.

Die Pancakes sehen aus wie aufeinandergelegte Pfannkuchen, daher der Name.

Es ist schon später Nachmittag, deshalb hatten wir bei der Tagesplanung einen Campingplatz in der Nähe zu den Pancakes gebucht. Es ist ein sehr schöner Wiesenplatz, direkt am Strand gelegen – idyllisch. So idyllisch, dass dies der einzige Ort während unserer mehrmonatigen Reise ist, an dem es keinen Mobilfunkempfang gibt. Also heute kein Internet und keine Süddeutsche Zeitung. Es ist wie früher, man kann in Ruhe geniessen und entspannen, es gibt keinerlei Ablenkung. Die Lage entschädigt uns vollkommen, wir hören nachts das Meeresrauschen und die Sterne sind zum Greifen nah, es ist vollkommen dunkel, um uns herum ist nichts. Dies ist Natur pur.

Am nächsten Morgen, wir haben den zweiten Dezember, frühstücken wir im Freien, mit Spiegeleiern und allem drum herum. Wir können es nicht glauben, dass wir das zweite Adventswochenende vor uns haben.

Das nächste Ziel ist Westport, eine Stadt, die sehr gut die kurze Geschichte Neuseelands der letzten 120 Jahre wiederspiegelt. Ende des 19. Jahrhunderts zur Goldgräberzeit hatte Westport einen tollen Aufschwung, danach kam der Kohleabbau und dessen Verschiffung im Hafen von Westport, und ab Mitte des 20. Jahrhunderts kam nichts mehr. Heute ist Westport eine leere Stadt, wie es viele gibt, die den Anschluss an das Heute nicht gefunden haben. Die Stadt wirkt auf uns trostlos.

Wir fahren weiter  zum Cape Foulwind, der Reiseführer schreibt von einer Robbenkolonie, die wir uns ansehen wollen.

Über der Kolonie wurden, in guter Entfernung zu den Robben, Wege und Plattformen gebaut, so dass man eine tolle Sicht auf die Tiere hat. Wir sind schon ein Stück von den Tieren entfernt, wir machen schöne Fotos und vergrössern dann die Robben.

In Richtung Picton geht es weiter nach Nelson, einer schönen wohlhabenden Stadt. Wir fahren an grossen Schafherden und Rinderherden vorbei und sehen abgeholzte Berge, es wirkt wie Kahlschlag. Umweltverträgliche sorgsame Holzwirtschaft ist in Neuseeland unbekannt.

Wir machen uns schlau und lernen, dass die Holzwirtschaft ein bedeutender Wirtschaftsfaktor ist. Es wird abgeholzt und schnell nachwachsende Fichten werden wieder angepflanzt. Wir lernen auch, dass das Umweltschutzbewusstsein der Neuseeländer dem unseren ca 50 Jahre hinterher ist. In Neuseeland gibt es kein Umweltproblem, bei so wenig Bevölkerung und ringsherum nur Meer, einer super reinen Luft, wieso soll man als Kiwi Bedenken hinsichtlich der Umwelt haben.

Wir kommen nach Nelson, und wie in allen grösseren Städten auf unserer Reise gibt es am Samstag Markt.

Auf dem schönen Markt mit vielen unterschiedlichen Angeboten finden wir einen Brotstand mit deutschem Brot, wir kaufen das letzte Brot, das es noch gibt. Das gibt eine schöne Abwechslung zu der Toastesserei der letzten Wochen.

In der Menge hören wir viel Deutsch, da sind wohl eine grosse Anzahl der Einwohner deutsche Einwanderer. Die Leute kennen sich untereinander und begrüssen sich mit grossem Hallo.

Und dann, wie nicht anders zu erwarten an einem Samstag, etwas Verrücktes. Diesmal eine Motorrad Promenade zum 2. Advent. Die Polizei sperrt die Strasse ab, und dann kommen sie, die verrückten Weihnachtsmänner mit Ihren Bräuten.

Aus der Stadt zieht es uns hinaus ans Meer. Wir legen uns in den Sand, schauen aufs Meer hinaus und entspannen von den vielen Eindrücken der letzten Tage. So lässt es sich wirklich aushalten.

Leider müssen wir weiter, in Nelson und Umgebung hätten wir es noch einige Tage ausgehalten. Von Nelson nach Picton, dem Fährhafen nach Wellington, fahren wir den Queen Charlotte Sound entlang, ein sehr schöner Fjord.

Am Wegrand sehen wir weiter Typisches für Neuseeland, markante Briefkästen. Die Kiwis haben einen Briefkasten mit einer Nummer, keinem Namen darauf, es gibt kein Einwohnermeldeamt. Ein Briefkasten mit einer Nummer ist vollkommen ausreichend, um wie wir Deutschen sagen würden, registriert zu sein. Es geht auch einfach.

Unser letzter Tag auf der Südinsel naht, morgen früh um 9:30 Uhr geht die Fähre nach Wellington, Einschiffen um 8:00 Uhr. Von der Strasse aus sehen wir die Fähre für den nächsten Tag einfahren.

Die Zeit verging wie im Fluge. Was uns wohl auf der Nordinsel erwarten wird, in den letzten 8 Tagen unserer Reise?

 

 

 

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